3-13-2015, Donauwörth

KONZERT

New Orleans Jazz in Reinkultur

Heye’s Society Jazzband eröffnet im Zeughaus den Donauwörther Kulturfrühling 

Von Andrea Hutzler

 

Heye’s Society überzeugte bei der Eröffnung des Donauwörther Kulturfrühlings im Zeughaus.

Foto: Andrea Hutzler

Vor einhundert Jahren erklangen in New Orleans völlig neue Töne und anno 1917 entstand die erste Jazz-Schallplatte – eine sogenannte „Schellack-Platte“, die die zuvor übliche Hartgummiplatte strapazierfähiger machte. Um den Sound jener Zeit originalgetreu wie-der aufleben zu lassen, haben sich renommierte Musiker zusammengefunden und ein hochkarätiges Ensemble gebildet. Ihr Name ist dabei Programm: Aus dem Jazz-Standard „High Society“ von 1901 und Heye Villechner, dem Bandgründer, Sänger und Schlagzeuger des sechsköpfigen Ensembles, entstand der einprägsame Name „Heye’s Society“.

Den New Orleans Jazz prägen vor allem drei melodische Linien, die stilecht von einem Kornett (Toni Ketterle, zugleich langjähriger Chef des Bavaria Film Tonstudios), einer Klarinette (Achim Bohlender) und einer Posaune (Christoph Wackerbarth) gespielt werden. Dem gegenüber steht die Rhythmusgruppe mit Tuba (Leopold Gmelch), Klavier (Tino Rossman) sowie dem Schlagzeug (Heye Villechner). In authentischer Besetzung erinnerte das Ensemble an die großen Namen, die den Jazz der damaligen Zeit prägten: Louis Armstrong, King Oliver, Duke Ellington oder auch Bix Beiderbecke, einen der ersten großen weißen Jazzmusiker. Dass Jazz zugleich die Musik eines Kollektivs und daneben auch des einzelnen Individuums ist, wurde dabei nur allzu deutlich. Neben den Themen in äußerst homofonem, intonatorisch lupenreinem Gesamtklang stellten sich die jeweiligen Instrumentalisten innerhalb der Improvisationen als souveräne, technisch sehr versierte und musikalisch einfallsreiche Solisten dar. Jeder Instrumentalist fand durch seine spezifische Tongebung, Artikulation und Phrasierung zu seinem individuellen und ausdrucksstarken Spiel. Genannt sei der Titel „I’m getting sentimental over you“ von George Bassman, dessen getragene Melodie wunderbar einfühlsam und expressiv von Christoph Wackerbarth auf der Posaune intoniert wurde. Der Kornettist Toni Ketterle hatte seine Sternstunde bei dem Intro des „Westend Blues“ von King Oliver sowie dem „Davenport Blues“ von Bix Beiderbecke. Äußerst virtuos und in extremen Tonlagen meisterte er das Intro, melodiös und ausdrucksstark den Blues. Der Klarinettist Achim Bolender glänzte besonders bei dem populären Song „Avalon“, den er technisch versiert und musikalisch überzeugend intonierte. Auch der Pianist Tino Rossmann trat immer wieder solistisch und auch als Sänger bravourös in den Vordergrund und sorgte ansonsten zusammen mit dem Schlagzeuger Heye Villechner und dem Tubisten Leo Gmelch für eine solide, rhythmisch und harmonisch ansprechende Rhythmusgruppe. Das harmonische Zusammenspiel und die unkomplizierte und lockere Ausstrahlung des Ensembles ließen den Abend zu einem besonderen Erlebnis werden.

 
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© Toni Ketterle