Creglingen.
Sie waren schon zum zweiten Mal da, sogar nur im Elfmonatsabstand. Wer glaubte, Heye Villechners New Orleans-Jazzband „Heye’s Society“ nach dem letztjährigen Auftritt wirklich zu kennen, lag falsch, auch wenn einige Titel im Programm sich wiederholten. Auch diesmal führte wieder Toni Ketterle im Romschlössle Creglingen durchs Programm und würzte es mit seinen lockeren, humorvollen Ansagen, die dem Publikum geschichtliche Hintergründe erschlossen und mit kleinen Anekdoten das gesellschaftliche Kolorit dieser Musik lieferten.
Nicht nur zu den Wurzeln der Volksmusik des schwarzen Nordamerika führte die Band mit den Ragtime- und Bluestiteln zurück, auch die Entwicklung der vielgestaltigen Jazz-Musik bis hin in den Swing der 30-er und 40-er Jahre war Vorlage für eine Musik-Performance, mit der die Band die Zuhörer unwiderstehlich in ihren Bann zog. Da blieb kein Fuß ruhig, kein Körper, den die Rhythmik nicht unmittelbar gepackt hätte, ganz zu schweigen vom anhaltenden Beifall, den jeder der Solisten fast bei jedem seiner Chorusse einheimste.
Ob Ketterle mit seinen glänzenden Trompetensoli oder Achim Bohlender mit seinen samtenen Klarinetten-Umspielungen – alle zauberten sie ein Lächeln auf die Gesichter des beschwingten Publikums. Hugo Strasser, Max Greger oder Udo Lindenberg wussten, dass Erwin Gregg die ideale Besetzung an der Zugposaune war, seine stilsicheren dirty notes konnte jeder, der sie hörte, auch an diesem Abend nur bewundern.
Als dann auch noch ein Solo des Tuba-Bläsers Leo Gmelch überraschte, merkte man erneut die unbändige Spielfreude des gesamten Sextetts.
Natürlich fehlte auch die eher melancholische, traurige Seite des Blues nicht ganz. Als Dr. Tino Rossmann der Sehnsucht des Sängers einfühlsam Ausdruck gab, der immer „Georgia on my mind“ hat, weil er in der Ferne nicht zur Ruhe kommt und sich nicht heimisch fühlt, legte sich diese Wehmut, diese Betrübnis auch auf das Gemüt des einen oder anderen Besuchers.
Rossmann am Klavier und Villechner am Schlagzeug gaben den Bläsern ein solides rhythmisches Fundament, so dass diese darüber nach Belieben brillieren und improvisieren konnten; selbst wenn der Schlagzeuger in seiner unnachahmlich ironischen Art den anderen Mitmusikern entgegenrief, dass er den angekündigten Titel nicht kennen würde, spielte er dann doch fast solistisch auf.
Wäre der Saal im Romschlössle größer gewesen, viele Zuhörer hätte es wohl nicht den ganzen Abend auf ihren Sitzen gehalten. So hatten sie nur die Möglichkeit, mit anhaltendem Applaus die Spieler immer wieder auf die Bühne zu holen, so dass auch noch „Way down yonder in New Orleans“ oder „Oh when the saints go marchin’ in“ in der begeisternden Interpretation der Heye’s Society zu hören waren. Man mag kaum glauben, dass sich die alten Herren dieser Band – der Gründer ist schon 82 Jahre alt – von der Bühne verabschieden wollen. Lieber würde man ihnen zurufen: „Musik kennt keine Grenzen, auch keine Altersgrenzen.“ – Da capo. hoka
© Fränkische Nachrichten, Donnerstag, 17.10.2019

 
 

 

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© Toni Ketterle