Hoch professionell und mit Spaß

 

Hünfeld. Es war ein grandioser Jazz-Abend, den die Musiker von Heye’s Society den Zuhörern zum Auftakt der städtischen Reihe „Kultur im Lokschuppen“ bereiteten. Sie sechs Musiker um den Kopf und Namensgeber der Band, Schlagzeuger Heye Villechner, brachten ein abwechslungsreiches Programm auf musikalisch hohem Niveau auf die Bühne. Stehende Ovationen des begeisterten Publikums zeugten vom rundum gelungenen Abend.
Die Liebe zum Jazz hält jung. Davon konnten sich die Zuhörer im Lokschuppen überzeugen. Denn die Musiker aus Leidenschaft sind zum Teil über 80 Jahre und bis auf Klarinettist Achim Bohlender alle im Ruhestand. Doch von Ruhe war am Dienstagabend nichts zu spüren. Heye’s Society heizten dem Publikum mit unverfälschtem New-Orleans-Jazz kräftig ein. Die Musiker leben den Jazz – und das Publikum nahm ihnen jeden Ton und jedes Wort ab. Da reicht ein Blick, eine kurze Geste, um die Abfolge der solistischen Improvisationen zu verabreden.
Und als Solisten zeigten die Vollblutmusiker allesamt ihr Können und erhielten dafür großen Beifall. Die Zuschauer ließen sich von Beginn an mitreißend und wippten im Takt der Musik aus den 20er und 30er Jahren mit. Zwischen den Liedern gab es von Kornettist Toni Ketterle, der durchs Programm führte, unterhaltsame Kommentare, Anekdoten und Bilder aus der Historie des Jazz. Somit wurde das Konzert nicht nur zu einer musikalischen, sondern auch einer informativen Zeitreise.
Heye´s Society hat sich dem traditionellen Jazz verschrieben, der Anfang des 20. Jahrhunderts in den Vergnügungsvierteln von New Orleans entwickelt wurde. Deshalb gehörten Titel von Joe King Oliver, Scott Joplin und Louis Armstrong zum Repertoire. Aber auch Traditionals wie „Eh La Bas“, bei denen das Publikum miteinstimmte. Die Musiker sorgten für jede Menge Gänsehautmomente. Etwa bei „Georgia On My Mind“ oder „What A Wonderful World”, als der Mediziner der Gruppe, Pianist Dr. Tino Roßmann, mit seiner wunderschönen Stimme begeisterte. Ein besonderer Moment war auch, als Heye Villechner „Ain‘t She Sweet“ zum Besten gab – einen Song, den er Anfang der 60er Jahre im Hamburger Star-Club mit den Beatles performte.
Mit langanhaltenden, stehenden Ovationen bedankte sich das Hünfelder Publikum bei Heye´s Society für Jazz vom Feinsten. Die sechs Musiker duften nicht ohne zwei Zugaben die Bühne verlassen. Zum Abschluss gab es den legendären „Tiger Rag“ und den bekanntesten Ragtime-Titel aller Zeiten: „The Entertainer“ aus dem Film „Der Clou“ von 1974 mit Robert Redford und Paul Newman.

 

 

Mitreißender Sound aus New Orleans

 

Begeisterte die Zuhörer im Creglinger Romschlössle restlos: Das Hotjazz-Sextett, das auf Initiative des Kunstvereins ein Gastspiel gab. © Karl-Heinz Rehfeld

 

Musik geht ins Blut, manchmal erfasst sie auch den ganzen Menschen – wie beim Jazzkonzert in Creglingen. Mitschwingende Oberkörper, zuckende Beine und Füße, taktschlagende Finger – alles war im Creglinger Romschlössle zu beobachten, als die Musiker des „Hotjazz Sextetts“ in die Anfangszeit des New Orleans Jazz entführten.   Manche Besucher hielt es überhaupt nicht mehr auf den Stühlen, sie mussten im Tanz ihrem Bewegungsdrang nachgeben. „Ich hätte mich geärgert, wenn ich bei diesem Konzert des Kunstvereins nicht dabei gewesen wäre“ – so kommentierte ein Besucher den rundum unterhaltsamen Abend, der richtig begeistert hat.

 

Dazu trugen nicht nur die souverän musizierenden Einzelkönner in diesem Sextett bei, sondern auch die lehrreiche und unterhaltsame Moderation von Toni Ketterle. Ob Kornett, Klarinette, Zugposaune, Klavier, Schlagzeug oder Tuba – jeder wurde fast bei jedem Chorus, den er intonierte, beklatscht. Kein Wunder, hatte man doch Künstler an den Instrumenten, deren musikalische Stationen von ihrem außergewöhnlichen Können zeugen. Toni Ketterle riss mit Louis Armstrongs „Cornet Chop Suey“ die Leute vom Hocker. Achim Bohlender, der Mann an der Klarinette, umspielte die vom Kornett vorgegebenen Lead-Themen in großartiger Weise, legte auch ein rasantes Solo hin, was ihm das Publikum durch großen Beifall zu danken wusste. Als freischaffender Musiker ist Erwin Gregg tätig, er hat bei Hugo Strasser, Max Greger, Udo Lindenberg, Konstantin Wecker oder der Spider Murphy Gang die Posaune gespielt. Entsprechend weltläufig ist auch sein Spiel in seiner nur ihm eigenen Phrasierung seiner Chorusse mit angenehm weichen Schleiftönen. Auch Leo Gmelch hat schon mit Udo Lindenberg und Konstantin Wecker gespielt, und er bewies an diesem Abend, dass man selbst der Tuba originelle Soli entlocken kann.

Die frühen Jahre

Über die Marching Bands, Spirituals und den Ragtime führte Toni Ketterle in die frühen Jahre des Jazz ein, dem sich Heye’s Society besonders widmet. New Orleans- , Dixieland- und Chicago-Jazz bis hin zum Swing, Oldjazz eben. Die Melancholie von „Georgia on my mind“ wusste Dr. Tino Rossmann, dessen Spezialität das Piano-Grundgerüst und die Vocals sind, dem Publikum gefühlvoll zu vermitteln. Schon als die Beatles in ihren frühen Jahren von 1960 bis 1964 in Hamburg auftraten, war Heye Villechner in die Musik verliebt und sang mit ihnen (ja, mit den Beatles!) auf der Bühne damals „Ain’t she sweet“. Auch an diesem Abend schnappte er sich das Mikro und interpretierte den Ohrwurm so mitreißend, dass auch dazu getanzt wurde, sich selbst mit einem angedeuteten Shuffle verabschiedend. Mit der Kollektivimprovisation des Tiger Rag zu deutschen Schlagermelodien verabschiedete sich das Sextett, dem man gerne noch stundenlang zugehört hätte, um schließlich mit „What a wonderful world“ den endgültigen Schlusspunkt zu setzen. hoka

© Fränkische Nachrichten, Samstag, 17.11.2018

 

 

Unvergesslichen Jazz aus der Zeit zwischen 1900 und 1930

 

aus New Orleans und Chicago präsentierte die Jazzband „Heye’s Society“ am Sonntagnachmittag beim Kulturamt Haßfurt live in der gut besetzten Rathaushalle. Dass der Zwischenapplaus und der Beifall am Ende so großzügig ausfielen, lag vor allem an der technischen Brillanz und der großen Musikalität der Bandmitglieder.

Es war ein Konzert von Freunden für Freunde, denn fast alle Besucher waren schon einmal zu Gast gewesen, wenn Heye Villechner entweder mit „Heye’s Society“ oder der „Bavarian Classic Jazzband“ in Haßfurt aufgetreten war. Der in Bayern „notgedrungen eingemeindete Ostfriese“, Gründer und Manager von „Heye’s Society“, ist es auch, der sein Publikum immer so charmant anspricht und mit seinen humorvollen und selbstironischen Ansagen einen liebenswerten Beitrag bei jedem Konzert beisteuert – neben seiner Spielleidenschaft für das Schlagzeug. Er ist es auch, der in den frühen 1960er Jahren die Beatles persönlich in Hamburg traf. Zu einer Zeit, als diese Musiker noch kein eigenes Repertoire hatten und Jazzstandards spielten. Damals sang Heye Villechner im „Star-Club“ sogar das Lied „Ain’t she sweet“ mit ihnen auf der Bühne. So kam das Auditorium mit genau diesem Song in den Genuss des „fünften Beatles“, wie es der Kornettist Toni Ketterle verkündete.

Das übrige Programm war gekennzeichnet von Stücken von Louis Armstrong, Duke Ellington, Scott Joplin, Hoagy Carmichael, Porter Steel, Benny Moten, Joe King Oliver, Boddy Bolden und vielen anderen. Dabei zeichneten sich Toni Ketterle (Kornett, Gesang, Moderation), Achim Bohlender (Klarinette), Erwin Gregg (Posaune), Dr. Tino Rossmann (Klavier, Gesang), Leopold Gmelch (Tuba) und Heye Villechner (Schlagzeug, Gesang) in den vortrefflichen Arrangements von Toni Ketterle als hervorragende Interpreten aus. Bewundernswert waren auch die solistischen Improvisationen, mit denen die Musiker aufhorchen ließen. Toni Ketterle, der dem Publikum immer wieder Hintergrundinformationen zukommen ließ, glänzte besonders mit dem „Westend Blues“. Auch wenn er den Versuch, wie Armstrong zu klingen, humorvoll als „Blas-Phemie“ titulierte. Weiterhin stellte er seine Kunst mit dem berühmten „Creole Love Call“ von Duke Ellington und mit „Cornet Chop Suey“ von Armstrong unter Beweis und erinnerte daran, dass der Veranstalter der Armstrong-Konzerte in Deutschland immer darauf gepocht hatte, diese aus Steuergründen als Kunst einzustufen. „Denn damals galt Musik, bei der das Publikum ruhig blieb, als Kunst. Wenn aber Stimmung aufkam, wurde sie als Unterhaltungsmusik eingestuft. Und das war steuerlich betrachtet teuer“, so Toni Ketterle. Insofern war die Musik von „Heye’s Society“ „Unterhaltungsmusik“. Denn wie sollten die Zuhörer bei einer solchen Musik ruhig bleiben? Andererseits boten die Musiker große „Kunst“, wie man auch unschwer beim dem Solo von Achim Bohlender im Song „Avalon“ von Vincent Rose bemerken konnte. Wie gut sie alle im Improvisieren sind, wurde besonders im „Tiger Rag“ offenbar:  mischten die Bläser und der Pianist doch Melodien aus Dr. Schiwago, „Die Fischerin vom Bodensee“, „Berliner Luft“, „So lang der alte Peter“ und „La Paloma“ unter den „Oldtime Jazz“. Auf den stürmischen Schlussapplaus folgen als Zugaben noch „What a wonderful world“ und „Oh when the Saints“, bevor Heye Villechner das Konzert als Abschiedskonzert von „Heye’s Society“ titulierte. Sein Dank galt ausdrücklich  Petra Zirkler vom Kulturamt und ihrem Team. „Was sie leistet, ist beeindruckend, das kann man ruhig mal in München zeigen“, sagte er und bat die Zuhörer, ihre Liebe zu dem alten Jazz an ihre Kinder und Kindeskinder weiterzugeben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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