Haßfurt (ger) Unvergesslichen Jazz aus der Zeit zwischen 1900 und 1930 aus New Orleans und Chicago, die mit Rhythmus und Melodie punktet, präsentierte die Jazzband „Heye’s Society“ am Sonntagnachmittag beim Kulturamt Haßfurt live in der gut besetzten Rathaushalle. Dass der Zwischenapplaus und der Beifall am Ende so großzügig ausfielen, lag vor allem an der technischen Brillanz und der großen Musikalität der Bandmitglieder.

Es war ein Konzert von Freunden für Freunde, denn fast alle Besucher waren schon einmal zu Gast gewesen, wenn Heye Villechner entweder mit „Heye’s Society“ oder der „Bavarian Classic Jazzband“ in Haßfurt aufgetreten war. Der in Bayern „notgedrungen eingemeindete Ostfriese“, Gründer und Manager von „Heye’s Society“, ist es auch, der sein Publikum immer so charmant anspricht und mit seinen humorvollen und selbstironischen Ansagen einen liebenswerten Beitrag bei jedem Konzert beisteuert – neben seiner Spielleidenschaft für das Schlagzeug. Er ist es auch, der in den frühen 1960er Jahren die Beatles persönlich in Hamburg traf. Zu einer Zeit, als diese Musiker noch kein eigenes Repertoire hatten und Jazzstandards spielten. Damals sang Heye Villechner im „Star-Club“ sogar das Lied „Ain’t she sweet“ mit ihnen auf der Bühne. So kam das Auditorium mit genau diesem Song in den Genuss des „fünften Beatles“, wie es der Kornettist Toni Ketterle verkündete.

Das übrige Programm war gekennzeichnet von Stücken von Louis Armstrong, Duke Ellington, Scott Joplin, Hoagy Carmichael, Porter Steel, Benny Moten, Joe King Oliver, Boddy Bolden und vielen anderen. Dabei zeichneten sich Toni Ketterle (Kornett, Gesang, Moderation), Achim Bohlender (Klarinette), Erwin Gregg (Posaune), Dr. Tino Rossmann (Klavier, Gesang), Leopold Gmelch (Tuba) und Heye Villechner (Schlagzeug, Gesang) in den vortrefflichen Arrangements von Toni Ketterle als hervorragende Interpreten aus. Bewundernswert waren auch die solistischen Improvisationen, mit denen die Musiker aufhorchen ließen. Toni Ketterle, der dem Publikum immer wieder Hintergrundinformationen zukommen ließ, glänzte besonders mit dem „Westend Blues“. Auch wenn er den Versuch, wie Armstrong zu klingen, humorvoll als „Blas-Phemie“ titulierte. Weiterhin stellte er seine Kunst mit dem berühmten „Creole Love Call“ von Duke Ellington und mit „Cornet Chop Suey“ von Armstrong unter Beweis und erinnerte daran, dass der Veranstalter der Armstrong-Konzerte in Deutschland immer darauf gepocht hatte, diese aus Steuergründen als Kunst einzustufen. „Denn damals galt Musik, bei der das Publikum ruhig blieb, als Kunst. Wenn aber Stimmung aufkam, wurde sie als Unterhaltungsmusik eingestuft. Und das war steuerlich betrachtet teuer“, so Toni Ketterle. Insofern war die Musik von „Heye’s Society“ „Unterhaltungsmusik“. Denn wie sollten die Zuhörer bei einer solchen Musik ruhig bleiben? Andererseits boten die Musiker große „Kunst“, wie man auch unschwer beim dem Solo von Achim Bohlender im Song „Avalon“ von Vincent Rose bemerken konnte. Wie gut sie alle im Improvisieren sind, wurde besonders im „Tiger Rag“ offenbar:  mischten die Bläser und der Pianist doch Melodien aus Dr. Schiwago, „Die Fischerin vom Bodensee“, „Berliner Luft“, „So lang der alte Peter“ und „La Paloma“ unter den „Oldtime Jazz“. Auf den stürmischen Schlussapplaus folgen als Zugaben noch „What a wonderful world“ und „Oh when the Saints“, bevor Heye Villechner das Konzert als Abschiedskonzert von „Heye’s Society“ titulierte. Sein Dank galt ausdrücklich  Petra Zirkler vom Kulturamt und ihrem Team. „Was sie leistet, ist beeindruckend, das kann man ruhig mal in München zeigen“, sagte er und bat die Zuhörer, ihre Liebe zu dem alten Jazz an ihre Kinder und Kindeskinder weiterzugeben.

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© Toni Ketterle