Jazzreise mit einem Hauch von Comedy

Die Band "Heye`s Society" begeistert beim Nachholkonzert des Grafenauer Frühlings                                     

15.09.2020

 

Unter strenger Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln konnte der Kulturverein Grafenau mit der Jazzband "Heye`s Society" erstmals wieder ein Konzert abhalten.

 

"Heute wollen wir den kulturellen Stillstand beenden", sagte Kulturvereinsvorsitzender Matthias Schubert bei seiner Begrüßung zum ersten Konzert, seit der Grafenauer Frühling wegen Corona ausfallen musste. Mit einem Nachholkonzert und der Band "Heye`s Society" gelang ein fulminanter Neustart, der rund 70 Besucher in der Mittelschule von den Stühlen riss.

 

Die Band, die Gründer, Schlagzeuger und Namensgeber Heye Villechner schon zu Beginn kurz vorstellte, bot lauter Ausnahmemusiker, was schon bei den ersten Soli immer wieder zu spontanem Zwischenapplaus im Publikum führte. Man fühlte sich versetzt in die Musikszene in New Orleans und Chicago zwischen 1900 und 1930, als mit Louis Armstrongs "Sugar foot stomp" der typische Jazz-Sound in der Aula erklang. Auf einer großen Leinwand gab es passend zum Programm auch noch viele Bilder aus jener Zeit und von den einzelnen Künstlern – eine gelungene Ergänzung zum ohnehin unglaublich facettenreichen Repertoire der Band.

 

Toni Ketterle, der neben Kornett und Gesang auch die Moderation übernahm, führte in jedes der Stücke ein, erzählte amüsante Geschichten und schickte seine Zuhörer auf Zeitreise. Er berichtete vom Stück "South", das dem amerikanischen Süden gewidmet sei und rief in Erinnerung, dass es 1900 kein Radio und keine Schallplatte gab. Der Gesang von Pianist Dr. Tino Rossmann, dem Mediziner und Münchner Urgestein in der Truppe, tat ein Übriges zur Reise in die Welt der ursprünglichen Jazzmusik.

 

Beim "St. Louis Blues" von 1912, der Hymne des legendären Louis Armstrong, erfuhren die Zuhörer von seiner kurzen Ehe mit Pianistin Lil Hardin, die bei einem Memorial-Konzert für ihn bei eben diesem Stück auf der Bühne starb.

Das Konzert war eine Ode an die ersten Jazz-Musiker, wie etwa Buddy Bolden. Alle sechs Musiker beeindruckten die Besucher dabei mit unglaublicher Virtuosität auf ihren Instrumenten und sichtlicher Freude an ihrer Musik. Egal ob Klarinettist Achim Bohlender, der mit seinem Instrument improvisierte, Erwin Greg an der Posaune, der bei namhaften Künstlern wie Hugo Strasser oder Max Greger ebenso mitspielte wie bei der Murphy Gang, oder Leopold Gmelch an der Tuba, der schon mit Udo Lindenberg oder Konstantin Wecker auf Tour war – alle Musiker entlockten ihren Instrumenten alles, was die Welt des Jazz zu bieten hat.

 

Schwungvoll ging es nach einem großen Dank an den Kulturverein und Matthias Schubert mit der berühmten Ragtime-Komposition von Scott Joplin aus der Ganoven-Komödie "Der Clou" weiter. Während der Klarinettist sich sogar von der Bühne ins Publikum wagte, gab es von Bandchef Heye Villechner eine kleine Tanzeinlage zu "Ain`t She sweet", einer Jazznummer, die in ihren Anfangszeiten von den Beatles aufgegriffen wurde.

 

Mit dem "Davenport Blues" von Bix Beiderbecke, der durch seinen frühen Tod mit 28 Jahren zur Legende, zum "James Dean des Jazz" wurde, und George Gershwins "Oh, Lady be Good" ging es klangstark-amüsant weiter, so dass der Abend wie im Flug verging. Die Comedy-Elemente in der Moderation taten ein Übriges zur Kurzweil des Konzerts.

Nach einem grandiosen Finale bedankte sich Matthias Schubert mit den Grafenauer Bären für einen den Abend. 3. Bürgermeister Wolfgang Kunz dankte im Gegenzug dem Kulturverein für die Organisation des "Grafenauer Frühlings im Spätsommer". Als zwei von "insgesamt 77 möglichen Zugaben" wählte Heye`s Society "Wonderful World" und "When The Saints Go Marchin in". Dem Publikum hatten sie auf jeden Fall die "Wonderful World" des Jazz eröffnet, wie die stehenden Ovationen bewiesen. - frk

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Toni Ketterle